Warum ein Siegel für nachhaltige Geldanlagen?

Immer wieder heißt es, der Begriff der Nachhaltigkeit sei beliebig. Jede/r meine damit etwas anderes oder nutze dies für Werbezwecke und für „Green-Washing“. Oft ist das aber nur eine billige Ausrede, um sich nicht damit zu befassen.

Zu Geschichte des FNG-Siegels

Der Ruf nach verbindlichen Kriterien und Untersuchungsmethoden für das, was unter Nachhaltigkeit im Finanzwesen zu verstehen ist, ist unüberhörbar. Deshalb wurde Anfang 2010 auf Initiative Mitgliedern des Beraternetzwerks ökofinanz-21 ein Projekt angestoßen, um den Zugang zu nachhaltigen Investmentfonds für Berater*innen und Kund*innen zu erleichtern und transparenter zu machen. Im Juni 2012 konnte so die FNG-Matrix für Fonds veröffentlicht werden. Davon abgeleitet sind die FNG-Nachhaltigkeitsprofile, die auf 2 Seiten eine Orientierungshilfe anhand von Kernfragen zur Nachhaltigkeit bieten. Inzwischen sind 263 Fonds erfasst. Diese Werkzeuge sind frei verfügbar auf der Website des FNG.

Daraus entwickelte sich das Projekt, ein Siegel zu entwickeln, das in die Tiefe geht und die Qualität der Nachhaltigkeitsstrategie einzelner Fonds genauer prüft, gewichtet und bewertet. Solange dies nicht unabhängig gefördert wird, muss dies durch Teilnahmegebühren der Gesellschaften finanziert werden, die sich dem aufwändigen Prüfprozess unterziehen wollen. Dabei gelten Mindestkriterien, die zu erfüllen sind. Die Organisation erfolgt durch die eigens dafür gegründete Gesellschaft für Qualitätssicherung nachhaltiger Geldanlagen (GNGmbH).

Im Dezember 2015 konnte das FNG-Siegel zum ersten Mal vergeben werden. Inzwischen wurden die Kriterien überarbeitet und in Bezug auf die Herausforderungen des Klimawandels verschärft. So ist gehört das Nein zur Kohleverstromung zu den Mindestanforderungen. Prüfung (Auditing) erfolgt über den Auditingpartner an der Universität Hamburg unter Federführung von Prof. Dr. Timo Busch.

Der begrenzte Nutzen eines Siegels

Wir kennen Qualitätssiegel aus anderen Bereichen, bei technischen Geräten, Bio-Lebensmitteln, Textilien usw. Die absolute Wahrheit darf man dabei nicht erwarten. Aber sie führen zu mehr Transparenz und geben eine Orientierung. Bei Finanzprodukten, die einen hohen ethischen Anspruch haben, ist das nicht anders. Interessenkonflikte müssen so weit wie möglich ausgeschlossen sein, die Qualitätsprüfung muss also unabhängig erfolgen. Und es muss ein möglichst großer Teil des Marktes vertreten sein. Das geht nur, wenn der Prüfprozess selbst von einer Einrichtung erfolgt, die auch finanziell unabhängig ist.

In Deutschland gibt es eine solche öffentlich finanzierte Instanz bisher nicht. Anders in Österreich, wo das Umweltzeichen von ÖGUT, der Österreichischen Gesellschaft für Umwelt und Technik eine anerkannte Institution ist. Anders beim FNG-Siegel: Es muss sich selbst finanzieren. Dies geschieht dadurch, dass die sich bewerbenden Gesellschaften für jeden zu prüfenden Fonds eine Teilnahmegebühr zahlen und sich dann einem aufwändigen Prüfprozess mit ca. 80 Fragen und Interviews unterziehen. Dies führt zwangsläufig dazu, dass nur diejenigen dabei sind, die annehmen, dass sie die Einstiegshürde schaffen und sich mehrere Tausend Euro „lohnen“. Für eine höhere Beteiligung und größere Marktdurchdringung wäre eine öffentliche Finanzierung wünschenswert, so wie dies z.B. für die Stiftung Warentest gang und gäbe ist. Das würde die Marktdurchdringung und die Bedeutung des Siegels deutlich erhöhen.

Luft nach oben

Die Zahl der Fondsgesellschaften nimmt zu, die für sich (oder für einige ihrer Fonds) reklamieren, Werte der ökologischen und sozialen Nachhaltigkeit zu beachten. Im Siegel-Prozess fehlen noch einige relevante Player, zum Beispiel diese:

Candriam, DegroofPetercam, Deka, GLS-Bank, Safra Sarasin, Kepler, LGT, Natixis, NN-Group, Ökoworld, Pictet, RobecoSAM, Swisscanto, UBS, Vontobel

Dennoch: Es wirkt

Dennoch: Das FNG-Nachhaltigkeitssiegel wirkt schon jetzt! Eine Reihe von Investoren, Vermögensverwaltern und Pensionskassen geworden nehmen das Siegel als Maßstab. Jedenfalls kann sich heute niemand mehr damit herausreden, man wisse ja gar nicht, was mit nachhaltigen Geldanlagen gemeint sei. Im Übrigen ist alles, was mit nachhaltiger Entwicklung zu tun hat, ein permanenter Prozess zur Verbesserung. Das FNG-Siegel ist aus unserer Sicht ein wichtiger Beitrag, um Geldströme für die Aufgaben der Zukunft sinnvoll umzulenken.

Ein Beitrag von Ingo Scheulen, 03.12.2018

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