„Our house is on fire!“

Mit dieser einfachen, starken Ansage hat die 16-Jährige Greta Thunberg aufgerüttelt. Zigtausende junge Leute haben die Botschaft in den letzten Wochen auf die Straßen getragen. Bei den Mächtigen dieser Welt findet sie dagegen zum kleinen Teil freundliche Anerkennung, meist aber wird darüber gelächelt oder gespottet – „arme Greta“ (Paul Ziemiak, CDU oder Christian Lindner, FDP).

Sie spricht nicht vom Klimawandel, sondern von der Klimakrise. Das ist insofern von Bedeutung, als wir unter dem Begriff „Wandel“ eine langsame, lineare Veränderung verstehen. Bei den Prozessen, die das Erdklima seit ca. 1975 messbar dramatisch ändern, geht es um komplexe, interagierende physikalische Vorgänge, denen die Wissenschaft erst seit wenigen Jahrzehnten nach und nach auf den Grund geht. Alle, die es wissen wollen, können sich dazu kundig machen, auch ohne studiert zu haben. Die Menschheit steuert auf Kipp-Punkte zu, von wo aus es kein Zurück mehr gibt.

Man kann die Klimakrise aber auch leugnen. Das eigene Haus brennt ja noch nicht, um im Bild zu bleiben. Wer, wie Wirtschaftsminister Altmaier, betont, dass die Arbeitsplätze in und um den Braunkohleabbau genauso wichtig sind, hat den Ernst der Lage nicht verstanden oder er will ihn nicht verstehen.

Denn klar ist: Ohne schnelle und zum Teil unvermeidbar schmerzhafte Maßnahmen wird es nicht gehen. Ein reiches Land wie Deutschland kann dies aber gestalten. Die Wiedervereinigung der DDR war schließlich auch kein Spaziergang. Sie musste schnell umgesetzt werden, auch wenn dabei Fehler gemacht wurden.

Mehr als 20.000 Wissenschaftler*innen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz unterstützen inzwischen mit einem Aufruf den weltweiten Protest „Fridays for Future“: https://www.scientists4future.org/stellungnahme/

Wir haben noch (!) ein kleines Zeitfenster, in dem wir die Ziele des Pariser Klimaabkommens umsetzen können. Damit sie noch wirken.

Worüber zu wenig gesprochen wird: Unsere Wohlstands- und Wachstumskultur im globalen Norden heizt den Ressourcenverbrauch und die Klimakrise an. Vermutlich ist die notwendige System-Kehrtwende noch viel anstrengender und wird noch mehr Widerstand hervorrufen als eine Beschränkung des Pkw-Verkehrs in den Städten oder der Bau von neuen Stromnetzen.

Irgendwann in absehbarer Zeit ist die Chance vorbei, die wir heute noch haben. Dann wird es in jeder Hinsicht sehr viel teurer. Für alle, auch für uns im reichen Norden. Hoffentlich rüttelt der weltweite Aufstand Hunderttausender junger Leute auch diejenigen wach, die sich bisher verweigern.

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