ökofinanz-21: 15 Jahre beharrlich nachhaltig

Jede Geschichte hat einen Anfang – und Vorgeschichten. Auf einer Fachtagung des Instituts für Markt-Umwelt-Gesellschaft e.V. zu Ethik und Nachhaltigkeit in der Finanzwirtschaft 2002 in Hannover verabredeten eine Handvoll freier Finanzberater, sich regelmäßig auszutauschen.

Um das zu verstetigen, wurde im Juni 2003 der Verein gegründet. Der Name war und ist Programm: ökofinanz-21, Netzwerk für nachhaltige Vermögensberatung.

Es folgte eine lange, manchmal zähe Findungsphase mit Versuch und Irrtum. Immer wieder stießen neue dazu, andere verließen den Verein wieder. Sollte es nur ein unverbindlicher Fachstammtisch sein? Oder die Vorstufe zu einem Unternehmen mit strengen Regeln? Darüber wurde produktiv gestritten, mehrmals in extern moderierten Workshops. Seit Beginn trafen sich die Mitglieder mit externen Referent*innen
und Gästen im Frühjahr und Herbst zu 30 Arbeitstagungen an verschiedenen Orten der Republik.

In den ersten Jahren stand im Vordergrund:

  1. die Sichtung des Marktes in Bezug auf Finanzprodukte, die für eine werteorientierte Finanzberatung in Frage kommen, und
  2. der Austausch von Knowhow für die
    Alltagspraxis.

Nach der Finanzkrise von 2008 kamen zunehmend grundlegende Fragen hinzu: Welche Mindestanforderungen müssen Finanzprodukte erfüllen, damit sie glaubwürdig sind und von den Mitgliedern des Netzwerks vermittelt werden können? Welche Wirkung kann mit der Lenkung von Geldströmen erzielen?

Schon wenige Zeit nach dem Crash hatte sich die globale Finanzwirtschaft (mit ein paar Schrammen) wieder erholt. Die Stützung des Systems erfolgte vor allem durch die Aufblähung des Geldmarktes durch Rettungsschirme, Anleihekäufe und Niedrigzinsen durch die Notenbanken. Im Übrigen geht im Großen und Ganzen das Business so weiter wie vorher. Allerdings sind die großen Spieler noch größer geworden. Der
materielle Reichtum konzentriert sich weltweit auf immer weniger Köpfe.
Die Verwerfungen durch die Globalisierung, unfaire Handelsbeziehungen und unveränderter Raubbau an den Ressourcen des Planeten rücken die Rolle des Geldes, sprich der Finanzwirtschaft stärker in den Blick.

Dies wirft Fragen auch für Akteure im Bereich des nachhaltigen Investments auf, die in dieser Schärfe noch vor 15 oder 20 Jahren nicht „auf dem Schirm“ waren. Für uns bei ökofinanz-21 bedeutet dies, sich nicht nur um das tägliche Beratungsgeschäft zu kommen,
sondern auch Partner zu finden, mit denen wir etwas dazu beitragen können, dass Geld und Finanzen für eine nachhaltige Entwicklung eingesetzt werden. Dies spiegelt sich im jeweiligen Tagungsmotto und in der Liste unserer Gastreferenten.

Auf unseren Anstoß hin wurde zum Beispiel 2010 ein Prozess beim Dachverband Forum Nachhaltige Geldanlagen angestoßen, der zu einer frei verfügbaren Datenbank für nachhaltige Investmentfonds führte. Inzwischen sind dort über 240 Fonds erfasst, die nach Kernfragen der Nachhaltigkeit sortiert und ausgewählt werden können. Auf immer mehr Veranstaltungen und in Medienbeiträgen beteiligen Mitglieder unseres Netzwerks an der Debatte um ethische Werte, Ökologie und soziale Verantwortung.

Die existenziellen Herausforderungen im 21. Jahrhundert haben die Welt des Geldes erreicht. Das Pariser Klima-Abkommen und die UN-Entwicklungsziele (SDG) sind Zeichen dafür, dass es kein Luxusthema ist, wenn wir uns mit umfassender Nachhaltigkeit befassen und Lösungen bauen. Hier sehen wir uns bei ökofinanz-21 als Vermittler im doppelten Sinn.

Bis heute sind wir mit 42 Mitgliedern eine kleine Schar. Es können gern noch mehr werden.

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