Nachhaltigkeit in aller Munde: Nur ein Mode-Hype oder Kipppunkt ins Positive?

Erleben wir gerade eine echte Wende? Werden ethische und ökologische Ziele jetzt wichtiger als die Gier nach Profit? Oder ist es nur ein Wettrennen um die beste Platzierung in den Medien?

Noch ist das nicht entschieden. Auf jeden Fall können wir feststellen: Fragen nach dem Zweck von Wirtschaft, nach der Rolle des Geldes und der Perspektive für die nächsten Jahrzehnte sind auf die Tagesordnung gesetzt. Die Zahl der Bekenntnisse nimmt rasant zu, in denen man sich verstärkt für Klimaneutralität, Schonung der natürlichen Ressourcen und globale Fairness einsetzen will.

Das neue Jahrzehnt wird zeigen, wie ernst das gemeint ist. Dass wir (ja, wir alle!) nicht mehr so weiterwirtschaften können wie bisher, das ist im Prinzip seit mindestens 30 Jahren bekannt. Leider wurde es zu lange geleugnet oder verdrängt. „Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch“, heißt es bei Friedrich Hölderlin.

Einsicht ist der erste Schritt zur Besserung

Sind die Ansagen für eine nachhaltige Ausrichtung Zeichen für eine fundmentale Umkehr? Deutschland und auch die EU sollen bis 2050 klimaneutral werden. Die neue Präsidentin der EU-Kommission hat einen Green New Deal als Handlungslinie verkündet. Schon das Pariser Klima-Abkommen und die Verabschiedung der UN-Agenda 2030 waren wichtige Meilensteine. Das Weltwirtschaftsforum stand im Januar 2020 ganz im Zeichen der Klimakrise und ihren Herausforderungen.

Die Umsetzung in praktisches Handeln ist jedoch mehr als schwierig, weil nicht konfliktfrei. Beispielhaft erleben wir das gerade beim geplanten Kohleausstieg. So wie es derzeit geplant ist, können die Ziele nicht erreicht werden. Dazu müssten die Treibhausgasemissionen jährlich um 7 % gesenkt werden!

Die Zeit läuft …

Die wissenschaftlichen Berechnungen ergeben zurzeit, dass die Menschheit die Erdatmosphäre bis zum Ende des Jahrhunderts um mindestens 3, womöglich 4 % aufgeheizt haben wird. Die in Jahrmillionen ausgebaute Balance im Erdsystem ist damit definitiv kaputt. Mit dramatischen Folgen, die nicht vorhersehbar sind und die wir uns nicht vorstellen wollen.

Wenn globale Akteure wie BlackRock, die Allianz oder AXA die Unternehmen zum Umsteuern auffordern, dann tun sie das vermutlich nicht oder nicht nur aus edlen Motiven. Die Verwerfungen der Klimakrise bedrohen schließlich real deren Geschäftsaussichten und die Profite. Immer mehr Finanzmarktakteure adressieren die Fragen der Nachhaltigkeit, Fondsgesellschaften, Banken und Versicherer – letztere bisher eher nur zum kleineren Teil.

Nehmen wir die Botschaften für eine Wende ernst.

„Der Worte sind genug gewechselt, Lasst mich auch endlich Taten sehn;
Indes ihr Komplimente drechselt, Kann etwas Nützliches geschehn.“
(Goethe: Faust, 1. Teil, Vorspiel)

Wenn die Geldströme tatsächlich in großen Maße umgelenkt werden in die große Transformation, dann ist das gut. Es ist nötig, denn ohne den Einsatz von gewaltigen Finanzmitteln geht es nun einmal nicht. Das ist auch das erklärte Ziel des Aktionsplans für Nachhaltiges Investieren, der aktuell auf verschiedenen Ebenen beraten wird. Erste Zwischenergebnisse sollen am 12.03.2020 in Brüssel bekannt gemacht werden.

Die Zivilgesellschaft, die Politik, die Medien, die Wissenschaft und auch wir als Finanzberaterinnen und -berater müssen dafür sorgen, dass den wortreichen Ankündigungen glaubwürdige Taten folgen. Das neue Jahrzehnt entscheidet, ob wir es hinkriegen.

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