Globalisiert infiziert

Das neuartige Corona-Virus beherrscht nicht nur die Nachrichten. Es greift in unseren Alltag ein. So umfassend, wie wir es bisher nicht erlebt haben.

In diesen Tagen wird sich zeigen, wie flexibel und widerständig wir und unsere Art zu Leben und zu Wirtschaften sind. Sind wir bereit, und in der Lage, nicht nur uns selbst, sondern auch die Schwächeren zu schützen? Sind wir in der Lage zu unterscheiden zwischen Notwendigem und Nicht-Notwendigem? Halten wir es aus, unsere bisherigen Gewohnheiten in Frage zu stellen und neu nachzudenken und zu handeln?

Corona macht keinen Unterschied

Ob jemand arm oder reich, Mann oder Frau, mitfühlend oder egoistisch ist, ob man einer Religion angehört oder nicht. Corona erreicht uns fast alle, früher oder später, sagen uns die Wissenschaftler. Menschen mit Grunderkrankungen und Ältere sind wegen der Krankheitsfolgen gefährdeter als Junge und Gesunde. Das Coronavirus stellt unsere Gesellschaften auf die Probe. Sind wir bereit und sind wir in der Lage, solidarisch mit solch einer weltumspannenden Krise umzugehen?

Das Krisenmanagement in Deutschland und vielen Nachbarstaaten scheint nach anfänglichen Unsicherheiten gut zu funktionieren. Parteipolitische Differenzen werden zurückgestellt. Für den verantwortlichen Umgang mit diesen schwierigen komplexen Herausforderungen dürfen wir dankbar sein.

Die Einschnitte in unsere gewohnten Abläufe (Arbeit, Schule, soziale Kontakte, Freizeit usw.) kommen plötzlich und vielfach unvorbereitet. Aber auch in dieser Krise wird voraussichtlich deutlich werden, dass es im globalen Rahmen große Unterschiede gibt. Noch ist nicht ersichtlich, wie gravierend in armen Ländern – oder reichen Ländern mit einem schlechten Gesundheitssystem, siehe USA – die Folgen der Corona-Pandemie sein werden. Es ist zu befürchten, dass es die Armen wieder mal noch deutlich härter treffen wird

Der weitere Blick lenkt die Sicht auch auf Krisen, die weiterhin existenziell sind: Millionen von Flüchtlingen sind entwurzelt, harren hungernd und verzweifelt in Zelten, etliche direkt vor unserer Haustür.  Nicht zuletzt tickt die Klima-Uhr unbeirrt weiter, solange nicht umgesteuert wird in eine lebenswerte Zukunft auf diesem einen Planeten.

Mehr als eigentlich sowieso  ist eine solidarische Haltung und solidarisches Handeln gefragt. Solidarität, Mitmenschlichkeit, vorausschauendes Handeln und Vor-Sorge gehören zu den Grundwerten.

Infizierte Börsen

Dies gilt auch für den Umgang mit Geld und die infizierten Börsen. Das chinesische Schriftzeichen für Krise beinhaltet die Bedeutung „Gefahr“ und „Gelegenheit/Chance“.  Das erleben wir infolge der Corona-Pandemie auf den Märkten. Die Kursstürze seit dem 19. Februar sind die heftigsten seit Jahrzehnten. In den Kursbewegungen spiegelt sich überwiegend Panik. Einige Wirtschaftszweige und nicht nachhaltig aufgestellte Unternehmen sind für diese Infektion anfälliger als diejenigen, die zukunftsfähige Geschäftsmodelle verfolgen.

In den kommenden Wochen und Monaten wird deutlich werden, wer am Ende gesünder aus der Krise kommt und wer nicht. In der letzten großen Finanzkrise von 2008 haben etliche Firmen, vor allem Banken nur deshalb überlebt, weil es Rettungsschirme durch die Notenbanken und staatliche Stützungsmaßnahmen gab. Dies lässt sich nur begrenzt wiederholen. Das wissen auch institutionelle Anleger, die über den Tag hinaus denken.

Seit 10 Jahren sehen wir, dass nach Kriterien der Nachhaltigkeit ausgerichtete Fonds besser „performen“ als solche, die das nicht sind. In Zeiten wie diesen, in denen weitgehender Stillstand herrscht, bekommen alle Schläge ab. Corona macht auch hier keinen Unterschied.

Was tun mit dem angelegten Geld?

Wer sein Geld für längere Zeit angelegt hat, sollte jetzt nicht panisch aussteigen. Dann werden die Buchwerte real. Was wäre die Alternative? Aktuell wäre ein Umstieg riskant, weil zu spekulativ. Wir wissen heute noch nicht, ob die Staaten, die Wirtschaft und die Gesellschaft die Krise klug und besonnen meistern.

Es hilft nichts: Man muss stark sein und die Ungewissheiten erst einmal aushalten. Niedrige Kurse sind Kaufgelegenheiten, heißt es. Das ist richtig, wenn man keine Ladenhüter kauft. Den richtigen Zeitpunkt trifft meist niemand. Wer Geld anzulegen hat, sollte dies nicht auf einen Schlag, sondern in Raten tun, zum Beispiel mit einem Sparplan. Dann wird aus der Krise eine Chance, auf jeden Fall dabei zu sein, wenn es wieder aufwärts geht. Wann das sein wird, kann heute niemand verlässlich vorhersagen.

Wir stehen sowieso vor großen Herausforderungen. Die Weltkonjunktur schwächelte bereits vor dem Ausbruch des Virus. Nationale Alleingänge von Trump, Putin, Erdoğan und vielen anderen haben die Unsicherheiten erhöht.

„Wo aber Gefahr ist, wächst das Rettende auch.“

Mit diesem Zitat von Friedrich Hölderlin hatten wir schon 2009 einen Beitrag auf unserer Homepage betitelt, der die damalige Finanz- und Bankenkrise kommentierte. Die Kernaussagen stimmen immer noch. (Link zum Beitrag)

Das Coronavirus trifft uns weltweit, früher oder etwas später. Nehmen wir den jetzigen Stillstand als Chance. Zum Innehalten und zum Sortieren, was wichtig ist und was nicht. Zum Entscheiden, was zu tun ist. Dann könnte das vorübergehende Chaos heilsam sein – für eine bessere Zukunft. Bewusstes, nachhaltig angelegtes Geld kann dazu einen wichtigen Beitrag leisten. Mit Gewinn für alle.

In diesem Sinne wünschen wir uns allen, dass wir möglichst gesund und unaufgeregt durch diese aufregenden Zeiten kommen.

Ingo Scheulen (im Namen des Vorstandsteams)

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