Die Entdeckung der Nachhaltigkeit in der Finanzwelt – Echt?

„Nachhaltiger als man denkt“ – so verkündet der größte deutsche Versicherungskonzern Allianz in neuen Anzeigen. Die größte deutsche Investmentgesellschaft DWS will die Nachhaltigkeitsstrategie über ein „Sustainability Office“ steuern. Fabrizio Campelli, bei der Deutschen Bank verantwortlich für ‚Wealth-Management‘ erklärt, „das Thema wird zunehmend zur Grundlage für alles, was wir tun.“

Die Liste der Bekenntnisse für nachhaltiges Investieren aus der Finanzwelt wird jede Woche länger: „Nachhaltigkeit ist Teil unserer DNA.“ „Genossenschaftsbanken sind seit jeher nachhaltig orientierte Institute.“ „Wir bekennen uns zum Prinzip der Nachhaltigkeit.“

16 Jahre nach Gründung unseres Netzwerks ökofinanz-21 freuen wir uns, wenn wir inzwischen nicht mehr als Exoten belächelt werden. Was passiert mit dem vielen Geld in Wirtschaft, Gesellschaft und Staat? Wofür wird es eingesetzt wird? Wem nützt es? Welcher Schaden wird womöglich damit angerichtet?

Vor 11 Jahren blickten wir während der großen Finanz- und Bankenkrise in einen Abgrund. Seither häufen sich Verwerfungen. Unsere Welt ist längst nicht so stabil, wie wir lange dachten. Und die Erderwärmung ist offenbar nicht nur die statistische Beobachtung einiger Wissenschaftler, sondern eine veritable Klimakrise, die näher kommt und schon spürbar ist. Es geht um existenzielle Zukunftsfragen. Seit einem Jahr gehen Millionen junger Menschen auf die Straßen. Sie fordern, dass umgesteuert wird. Jetzt, nicht irgendwann.

In der Wirtschaft sind viele seit Jahren schon unterwegs, ihre jeweiligen Geschäftsmodelle daraufhin zu prüfen und umzubauen. Ein Zu-spät wird im kapitalistischen Markt gnadenlos bestraft. Die so genannte „Finanzindustrie“ gehört nicht zu den innovativen Vorreitern. Aber auch dort tut sich offenbar etwas. Nach den eher kleineren Pionieren kommt anscheinend Bewegung in die Branche.

Wie glaubwürdig die schon beinahe inflationären Aussagen für ethische und soziale Verantwortung sind, werden wir beobachten. Einige hatten bislang mit ESG-Kriterien gar nichts „am Hut“. Aber nehmen wir die neuen Entdecker der Nachhaltigkeit beim Wort. Alle, die es ernst meinen, verdienen Unterstützung. Täuschungen und Etikettenschwindel lassen wir allerdings nicht durchgehen. – Das gilt auch für die Politik.

Am 11. und 12. November treffen wir uns in Erfurt mit Experten und Gästen unter dem Motto: „Nachhaltig beraten. Nachhaltig anlegen. Echt jetzt. Ja. Echt. Jetzt.“ Interessierte sind herzlich eingeladen. Programm und Anmeldeformular stehen hier zum Download bereit.

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